Foto: Ursel Haaf

Die neue Bibelübersetzung

Die Bibel als Buchtipp? Was soll sich denn ausgerechnet hier Neues finden lassen, was nicht schon seit 1.900 und mehr Jahren bekannt ist? Und doch: Für mich lädt diese neue Einheitsübersetzung ein, die Bibel noch einmal neu zu lesen bzw. zu hören und die Erfahrung zu machen, dass sich andere, vielleicht auch unvermutete Fragen und Blickrichtungen eröffnen, wenn die Übersetzung, nun auch andere, bislang so nicht berücksichtigte Aspekte in den Fokus rückt.
 
Es handelt sich bei dieser um eine einheitliche Übersetzung für die katholischen Bistümer aller deutschsprachigen Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Vaduz, aber auch die Erzbischöfe von Straßburg, Lüttich, Bozen-Brixen haben sich dem angeschlossen. Sie revidiert die erste Einheitsübersetzung, die 1980 erschienen ist. In den letzten zehn Jahren wurde diese Fassung nun überarbeitet und steht ab diesem Jahr als Buch und in digitaler Form zur Verfügung - und wird künftig auch in die liturgischen Texte aufgenommen.
 
Ich selbst bin absolut fasziniert, wie neue Bibelübersetzungen den eigenen Blick immer wieder auf neue Aspekte der Bibel richten können. Eines der Ziele der neuen Einheitsübersetzung war es, näher an die ursprünglichen Texte und Bilder der griechischen und hebräischen Tradition heranzutreten und zugleich eine moderne Sprache zu wählen. Einiges liest sich dadurch im deutschen sperriger, weil die ursprüngliche - hebräische oder griechische - Sprache nachgezeichnet wird.
 
Das lässt sich beispielhaft an zwei Aspekten verdeutlichen: 
 
Die Verwendung des Gottesnamens:
Die hebräische Bibel gibt den Namen Gottes mit vier Konsonanten wieder „JHWH“. Wie dieser Gottesname ausgesprochen ist ist nicht bekannt, da das Hebräische keine Konsanten kennt und in der jüdischen Tradition der Name Gottes auch nicht ausgesprochen werden darf. Beim Lesen wurde der Gottesname durch ein anderes Wort wie „Herr“ ersetzt. Dies wird in der Einheitsübersetzung aufgegriffen und an diesen Stellen findet sich das Wort HERR in Großbuchstaben ersetzt.
 
Eine "weiblichere" Sprache
Deutlich wird in den Texten auch, dass die neue Übersetzung „weiblicher“ ist. So fragt z.B. nicht länger nur „der Sohn“, sondern das Kind im Deutoronomium nach den Gründen zur Befolgung von Gesetzen und auch im neuen Testament wird umgesetzt, was in vielen Gemeinden bereits in Lesungen praktiziert wurde: Die Anrede als Brüder und Schwestern. Dies ist kein reines Zugeständnis an moderne Gender-Vorstellungen sondern entspricht den ursprünglichen griechischen Bedeutungen der Worte, dass das Kind oder auch Brüder und Schwestern gemeint sein können.
 
Gerade in den Briefen des Paulus wird deutlich, dass Frauen selbstverständlicher Teil der frühen Kirche waren und hier in unterschiedlichsten Funktionen. Eine dieser Frauen sticht hervor, die nun auch im Römerbrief als solche erkenntlich wird - die Apostolin Junia. In der Wissenschaft war es seit langem selbstverständlich, dass das Grußwort von Paulus im Römerbrief eine Frau im Blick hat: „Grüßt Andronikus und Junis (…); sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt“. Seit dem Mittelalter wurde dieser Name hingegen immer mit „Junias“ wieder gegeben wurde. - Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass der Begriff der Apostel in der Bibel zwei unterschiedliche Bedeutungen hat: Zum einen der vielen bekannte Begriff der „12 Apostel“, die namentlich benannt werden. Zum anderen wird aber auch in einem weiteren Sinne für diejenigen verwendet, die Jesus seit dem Beginn seiner Verkündigung in Galiläa begleitet haben. Und in diese besondere Gruppe tritt nun, für alle Leser der Einheitsübersetzung - wie übrigens auch der neuen Lutherübersetzung - sichtbar, eine namentlich genannte Frau.
 
Ich hoffe, diese kurzen und eher skizzenhaften Anmerkungen haben Lust auf mehr gemacht. Als konkrete Anregung, einzelne Textpassagen nebeneinander zu legen, empfehle ich einen Teil der Schöpfungsgeschichte in Genesis 1, 24.31, den Kernsatz des jüdischen Selbstverständnisses das Sch’ma Israel (Höre Israel) in Deuteronomium 6, 4-5 und die so genannte Kinderfrage in Deutoronomium 20-21, schließlich Psalm 12 und Rom 12, 1-2. Ausführliche Informationen finden sich auch auf der Homepage des Bibelwerks in Stuttgart (https://www.bibelwerk.de).
 
Schließlich sei darauf hingewiesen, dass im Jahr 2016 auch die Lutherbibel in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum in 2017 in überarbeiteter Form veröffentlicht wurde. Der Fokus dieser Übersetzung lag vor allem darauf, sich der Originalübersetzung von Luther aus dem Jahr 1545 wieder weiter anzunähern.
 
Cornelia Iken

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