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Hemmschwellen überschreiten

Am 13. Februar fand im Begegnungszentrum der Fokolar-Bewegung in Ottmaring der 12. Hospiztag statt. In diesem Jahr ging es um das Thema: „Die Hemmschwelle überwinden - Wege zu spiritueller Begleitung in der Hospizarbeit“. Rund 130 ehrenamtliche und professionelle Hospizmitarbeiter waren zu der Tagung gekommen.

„Es ist gut, wenn wir eine gewisse Scheu haben, die Schwelle zur spirituellen Begleitung zu übertreten, aus Sorge, dass wir unserem Gesprächspartner zu nahe treten könnten. Aber wir dürfen die Hemmschwelle getrost überschreiten, wenn wir unsere Schritte von dem lenken lassen, den wir betreuen. Er wird uns zeigen, wie weit, wie tief wir in diesen spirituellen Austausch gehen dürfen.“ Das betonte Prof. Dr. Wolfgang Schreml, ehemaliger Chefarzt am Klinikum Günzburg und jetziger Palliativarzt. Er ist der unermüdliche Motor für die Ottmaringer Hospiztage. In einer kurzen und ebenfalls sehr humorvollen Darstellung des Begriffes „Spiritualität“ (Mitunter ist der Sinn von Spiritualität in unserer Zeit so ausgedünnt, dass sich Leute schon für spirituell halten, wenn sie sich für Reiki interessieren und gern Yogitee trinken) machte er deutlich, dass es bei bei spiritueller Betreuung nur darum ging, dem Kranken zu helfen, einen Sinn in seiner Situation zu entdecken: „Es geht um die kleinen Verwandlungen, die von innen kommen.“ Prof. Schreml belegte seine Worte mit eigenen konkreten Erfahrungen in der Hospizarbeit und hatte auch zwei Mitarbeiterinnen vom Raphael Hospiz Verein Günzburg eingeladen, einzelne Aspekte seiner Ausführungen durch konkrete Erlebnisse zu beleuchten. „Bei der Hospizbegleitung kann man kein Programm machen, es gibt keinen Plan, kein Projekt, man muss sich Augenblick für Augenblick führen lassen“.

Mit dieser Aussage kommentierte der Professor den Beitrag der dritten Referentin, Dr. Monika-Maria Wolff aus Zwochau, die von ihrer langjährigen Arbeit im Kongo berichtete. Sie hat ein Hilfswerk für hungernde Kinder auf die Beine gestellt (2.300 Kinder werden heute vom Kindergarten bis zur Berufsschule rundum betreut), ohne Programm, ohne Projektvorgaben, einfach nur Augenblick für Augenblick den Anforderungen des Tages gehorchend: „ Auf einem offenen Feuer kochte unsere Mahlzeit aus Reis und Trockenerbsen. Am Tor drängelte sich eine zerlumpte, hungrige Kinderschar…Das Tor wurde geöffnet, die Mahlzeit geteilt. Niemand von uns ahnte, was daraus einmal werden würde.“

Am Nachmittag war ein Podiumsgespräch mit den Referenten vorgesehen. Doch die Fragen blieben bis auf eine aus. Es war alles klar. Frau Dr. Annette Gerlach aus Ottmaring, von Beruf Psychiaterin und Moderatorin des Gesprächs, schaffte es dennoch, den Referenten auch ohne Fragen weitere Details aus ihrer reichen Erfahrung zu entlocken.

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