Bekanntgabe der Maßnahmen nach Missbrauchs-Bericht zu Frankreich-Fällen

Thursday, 19. May 2022

Die Maßnahmen zur Prävention, Schulung, Entschädigung und zur Bewertung der Verantwortlichkeiten werden deutlich ausgeweitet und verstärkt, um allen betroffenen Personen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und in allen Bereichen der Bewegung das Primat der Nächstenliebe, der Würde des Menschen, der Sicherheit und der Transparenz zu gelebter Kultur werden zu lassen.

„Was wir heute vorlegen, ist eine erste Antwort auf die Empfehlungen aus dem Bericht von GCPS Consulting zu den Fällen von Kindesmissbrauch durch ein ehemaliges Fokolar-Mitglied in Frankreich. Wir sind uns bewusst, dass diese ersten Maßnahmen nicht erschöpfend sind, aber sie sind Teil eines entschiedenen Prozesses der Neuausrichtung des Lebens und der Aktivitäten der Bewegung, in dem Minderjährige, die Person als solche in ihrer ganzen Komplexität im Mittelpunkt aller Fürsorge, des Schutzes und eines Prozesses von Wiedergutmachung und Neuanfang stehen“.

Mit diesen Worten stellt Margaret Karram, die Präsidentin der Fokolar-Bewegung, den Weg vor, den die Bewegung nun eingeschlagen hat - auch dank der Empfehlungen von GCPS Consulting. Diese Maßnahmen ergänzen die Richtlinien für den Schutz von Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsener (die in der Fokolar-Bewegung auf internationaler Ebene seit 2014 in Kraft sind und derzeit auf der Grundlage internationaler Standards überarbeitet werden) und die Schulungen zu diesem Thema für Mitglieder der Bewegung.

„Als erstes und das ist mir das Wichtigste“, erklärt die Präsidentin, "möchte ich mich an alle Betroffene sexualisierter Gewalt wenden, insbesondere in Frankreich: Ich möchte euch persönlich und im Namen der Bewegung danken, denn der Mut eurer Zeugnisse, eures Schmerzes, den Ihr mitteilt, sind für uns der wesentliche Ausgangspunkt dieses Weges der Läuterung. Ich möchte auch der französischen Gemeinschaft der Bewegung für ihren Mut danken, sich diesem Leid zu stellen.

Die zentrale Disziplinarkommission, deren Einsetzung wir heute bekanntgeben, wird die Aufgabe haben, die Verantwortlichkeiten der Personen mit Leitungsaufgaben zu prüfen, die in Missbrauchsfälle involviert waren, um Klarheit und Gerechtigkeit für die Opfer zu schaffen.

Die Basis dieses Weges der Erneuerung ist für uns zuallererst das Evangelium, das wir wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen wollen", schließt Margaret Karram. "Außerdem erfordern die ernsten Herausforderungen, denen sich die Menschheit heute gegenübersieht, eine Aktualisierung der Spiritualität der Einheit, damit sie ein Instrument der Geschwisterlichkeit und des Friedens sein kann.“

Die nachstehend aufgeführten Maßnahmen werden kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt. Es sind die dringendsten und notwendigsten, um die Bewegung entschieden auf einen Weg der Wiedergutmachung und des positiven Neubeginns zu bringen.

  • Die Betroffenen im Mittelpunkt: Die persönliche Bitte der Präsidentin um Vergebung

Menschen, die Opfer von Missbrauch, von sexualisierter Gewalt geworden sind, nehmen in diesem Prozess einen zentralen und vorrangigen Platz ein. Zuhören, um Verzeihung bitten, Hilfe anbieten und der Weg der Wiedergutmachung sind daher der Ausgangspunkt.

Margaret Karram hat persönlich Kontakt zu den Betroffenen in Frankreich aufgenommen, soweit dies unter Wahrung der Privatsphäre möglich war. Ihr Wunsch ist es, alle Betroffenen zu erreichen, wobei sie stets den Wunsch derer respektiert, die anonym bleiben möchten.

  • Ein Netzwerk, um Betroffene aufzunehmen und ihnen zuzuhören

Lokale Kommissionen für das Wohlergehen und den Schutz von Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen werden verstärkt (dort, wo sie bereits eingerichtet und engagiert sind) oder neu eingerichtet und mit Fachleuten aus den Bereichen Psychologie, Recht, Pädagogik und Bildung besetzt. Diese Kommissionen sind von den Leitungsgremien der Fokolar-Bewegung unabhängig und haben die Aufgabe, Meldungen und Zeugenaussagen entgegenzunehmen und Untersuchungsverfahren einzuleiten. Die lokalen Kommissionen können einen weiteren Dienst anbieten: Kontakt- und erste Anlaufstelle für alle zu sein, die ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt, Belästigung oder traumatischen Erlebnissen verschiedener Art mitteilen möchten und - falls gewünscht - auch eine Beratung für den weiteren Weg in Anspruch nehmen möchten.

In diesem Zusammenhang sind in einigen Ländern wie Frankreich, Deutschland und andere bereits Anlaufstellen aktiv.

  • Ausarbeitung eines Protokolls zur Entschädigung der Opfer von Missbrauch innerhalb der Fokolar-Bewegung

Ein Protokoll, eine definierte Vorgehensweise der Fokolar-Bewegung zur Entschädigung der Opfer wird derzeit ausgearbeitet.

  • Einsetzung einer Disziplinarkommission

Es wird eine zentrale Disziplinarkommission eingerichtet, die sich größtenteils aus externen juristischen und psychologischen Fachleuten zusammensetzt, um die Verantwortung der Personen mit Leitungsaufgaben in der Fokolar-Bewegung im Umgang mit sexualisierter Gewalt, mit geistlichem und Machtmissbrauch zu beurteilen. Sie wird auf der Grundlage eines Disziplinarkodex arbeiten, der in Zusammenarbeit mit der Kommission selbst erstellt wird und ethische Grundsätze und Sanktionen festlegt.

  • Weltweite Veröffentlichung eines Jahresberichts

Jährlich wird ein Bericht über die Arbeit der Zentralen Kommission für das Wohlergehen und den Schutz von Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen (CO.BE.TU) veröffentlicht, der sich mit Fällen sexualisierter Gewalt und Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz von Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen befasst.

  • Der Schutz liegt in der Verantwortung aller Mitglieder der Bewegung

Um dieses Bewusstsein zu stärken, hält es die Bewegung für verpflichtend, dass jedes Mitglied, einschließlich der Minderjährigen selbst und derjenigen, die sich in Zukunft in der Bewegung engagieren möchten, einen Grundkurs über den Schutz von Minderjährigen und  schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen besucht, der von den entsprechenden lokalen Kommissionen organisiert wird.

  • Fortbildungskurse für Führungskräfte

Es werden verpflichtende Fortbildungskurse eingeführt, um die Verantwortlichen - egal auf welcher Ebene sie tätig sind – darin zu schulen, Mitverantwortung zu leben, eine größere Transparenz bei Entscheidungsprozessen zu gewährleisten, regelmäßige Wechsel in den Zuständigkeiten einzuhalten und Menschen zu begleiten im Bewusstsein der Unterscheidung zwischen der Ebene der Leitung und der Ebene der vertraulichen Begleitung und der Gewissensbildung.

  • Austausch und Fortbildungsangebote für Gemeinschaften der Fokolar-Bewegung

Die Fokolar-Gemeinschaften müssen in ihren unterschiedlichen Formen und Strukturen den notwendigen Prozess der Entscheidungsfindung, den offenen Dialog und das Verständnis für die richtige Beziehungsdynamik fördern. Nach der Veröffentlichung der unabhängigen Untersuchung von GCPS Consulting haben viele Gruppen und Gemeinschaften der Bewegung bereits den Austausch und das Gespräch über sexualisierte Gewalt und geistlichen Machtmissbrauch aufgenommen. Die Bewegung ermutigt zu diesen Maßnahmen und Angeboten und unterstützt sie mit Experten und Fachleuten, wo dies notwendig ist oder gewünscht wird, und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen kulturellen Sensibilitäten.

Für Deutschland finden sich alle Ansprechpersonen für Unterstützung und Prävention gegen sexualisierte Gewalt und Geistlichen Machtmissbrauch, sowie die relevanten Dokumente und Informationen unter Prävention / Missbrauch (fokolar-bewegung.de)

Für das internationale Kommunikationsbüro: Stefania Tanesini Tel. +39 338 5658244

Für die deutsche Pressestelle: Andrea Fleming  Tel. +49 (0) 172 8247486 – presse@fokolar-bewegung.de

 


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