"Besser ehrliche Gespräche als erhobene Zeigefinger"

Rabbiner Henry Brandt erhält Klaus Hemmerle-Preis 

Stehende Ovationen vor einem Mann des Dialogs und der Versöhnung: Rabbiner Henry Brandt erhielt am 25. Januar 2018 im Aachener Dom den Klaus Hemmerle-Preis und alle Anwesenden erhoben sich, um den jüdischen Gelehrten zu ehren.
 Prof. Dr. Franz Sedlmeier erinnerte in seiner Laudatio an Brandts „Werk der Aussöhnung und der Verständigung“ und sprach ihm Anerkennung und Wertschätzung dafür aus, immer wieder „Räume des Verstehens“ zu eröffnen. 

Landesbischof i.R. Dr. Christian Krause hat den Preis im Jahr 2006 erhalten und hieß den achten Preisträger der Auszeichnung im Kreise der bisher Geehrten willkommen. Er hoffe, dass die "Botschaft von der Chance der Versöhnung und sein Ruf zur Einheit unter den Menschen" auch öffentlich gehört werde. Maria Voce, die Präsidentin der Fokolar-Bewegung, unterstrich in ihrer Grußbotschaft, die verlesen wurde: "Der Weg der Freundschaft, der Gemeinschaft und des Austausches ist immer fruchtbar. Ich wünsche von Herzen, dass der heutige Festakt uns ermutigt, geschwisterliche Beziehungen zu knüpfen und zu vertiefen."

In seinem Dank nach der Verleihung wurde Brandt dann ernst und nachdenklich. In Erinnerung an ein Lied, das oft in jüdischen Gemeinden gesungen werde, sei ihm beim Bild der Brücke auch etwas Angst geworden: "Diese Brücken, die wir zu bauen haben zwischen den Konfessionen, zwischen den gesellschaftlichen Gruppierungen, die überbrücken nicht etwas, das von der Natur vorgegeben ist. Sie überbrücken Gehässigkeit, Ablehnung, Ausgrenzung und Gewalt... Die Abgründe, über die die Brücken führen, sind menschgemacht." Es sei ein Kampf an zwei Fronten: Einerseits Brücken zu bauen und gleichzeitig dafür zu arbeiten, dass diese Brücken gar nicht nötig seien. Daher sei ihm der Kontakt, das Gespräch mit der Jugend so wichtig, den er in den letzten Jahren an der Universität Augsburg gern und regelmäßig pflege. "Das offene, ehrliche Gespräch ist die beste Kampfmethode gegen den Antijudaismus, besser als der erhobene Zeigefinger."
Er sei stolz und dankbar, den Preis seines verehrten Freundes Klaus Hemmerle zu tragen und zitierte ihn zum Schluss noch einmal: "Nur in Gemeinschaft vermögen wir die Welt zu gestalten".

 

Hier können die Grußworte und die Laudatio im vollständigen Wortlaut herutergeladen werden:

 

Grußwort des Aachener Bischofs Dr. Helmut Dieser
Grußwort von Landesbischof i.R. Dr. Christian Krause, Preisträger 2006
Grußwort der Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Dr. Maria Voce
Laudatio: Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Augsburg

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